Character-Rigging-DUIK-Angela

Sachlicher Erklärfilm vs. charakterstarker Animationsfilm


Sobald Charaktere in Erklärfilmen vorkommen und diese auch mit Mimik und Gestik aufwarten sollen, muss man ein paar Dinge mit einplanen, um eine erfolgreiche Produktion zu gewährleisten. Was die Vorzüge und Hürden einer Charakter-Animation sind, beleuchten wir in diesem Blog-Artikel.

Inhalt

Die wesentlichen Unterschiede

Ein Erklärvideo verwendet oft vereinfachte Grafiken, Formen oder Symbole, um Informationen zu vermitteln. Es konzentriert sich hauptsächlich auf die Darstellung von Konzepten und Ideen ohne die Verwendung von lebendigen Charakteren. Diese Art von Video kann effektiv sein, um klare und direkte Botschaften auf sachliche Art und Weise zu vermitteln.

Ein Erklärvideo mit Charakteranimation hingegen nutzt animierte Charaktere, um Informationen darzustellen. Diese Charaktere können Emotionen ausdrücken, miteinander interagieren und Handlungen ausführen, was das Video dynamischer und unterhaltsamer macht. Durch die Verwendung von Charakteranimationen können komplexe Ideen auf eine zugängliche Weise vermittelt werden, die über die sachliche Darstellung von animierten Infografiken hinaus geht.

Obwohl vereinfachte Darstellungen oft als kostengünstig und schnell umsetzbar angesehen werden, bieten Charakteranimationen eine Vielzahl von Vorzügen und ein größeres Potenzial für das Storytelling, um die Botschaft des Videos auf eine einprägsame Weise zu vermitteln. Durch die Integration von lebendigen und vielschichtigen Charakteren können Animationen Emotionen beim Publikum auslösen, während komplexe Konzepte verständlich dargestellt werden.

Man muss jedoch mehr Zeit für die Planung, Vorbereitung und die Animation einplanen. Um einen Charakter für die Animation zu kreieren und aufzubereiten, werden oft 2-3 zusätzliche Arbeitstage benötigt und die Umsetzung erfordert mehr Fachkenntnisse und spezielle Softwaretools als die Animation von einfachen Symbolen und Infografiken.

Im Folgenden stellen wir einige der angesprochenen Tools kurz vor, um den Prozess und die Möglichkeiten einer Charakteranimation etwas näherzubringen.

Tools für Charakter-Animationen

Joysticks‘n Sliders

Hiermit kann man eine „2.5-D“ Animation erstellen, die eine räumliche Darstellung simuliert, obwohl es sich nach wie vor um animierte 2D – 2D-Ebenen handelt. Das Gesicht des Charakters kann sich beispielsweise in verschiedenen Richtungen umschauen und währenddessen vielfältige Emotionen zeigen.

Einzelne Teile des Gesichts wie Augenbrauen, Augenlider, Mund und Wangen können außerdem präzise angesteuert werden, um verschiedene Gesichtsausdrücke darzustellen.

So kann man leicht zwischen Emotionen wie Glück, Traurigkeit, Überraschung oder Wut wechseln.

Tools zum Animieren des Körpers

After Effects bietet mit dem nativen „Puppet-Tool“ und dem Einstellen von räumlichen Abhängigkeiten von Ebenen zueinander bereits einige Möglichkeiten, aber wirklich gut arbeiten lässt sich mit Plugins von Drittanbietern. Dem Charakter wird eine Art Skelettstruktur gegeben, mit der man Gliedmaßen-Animationen einfacher und intuitiver umsetzen kann. Das bekannteste und am weitesten verbreitete Tool dafür ist „DUIK“. Weitere gängige Werkzeuge dafür sind „Limber“ und „Rubberhose“. Jedes dieser Tools hat seine Vor- und Nachteile und es kann durchaus Sinn machen, für den einen Job eines der Tools zu verwenden, während man für den nächsten Job das andere auspackt. Durch das derartige Aufbereiten eines Charakters ermöglicht man eine sehr flexible Charaktersteuerung. Man muss jedoch einiges an initialem Aufwand in der Aufbereitung und Erstellung des Setups rechnen.

Idealer Workflow

Zuerst wird ein Charakter mit vielen Einzelteilen entworfen, die alle auf einer separaten Ebene platziert werden. Danach müssen alle Ebenen so benannt werden, dass ihr Inhalt gut nachvollziehbar ist (Unterschenkel RE, Unterschenkel LI, Auge RE, Auge LI, etc.) und alles, was man unabhängig voneinander bewegen möchte, auf einer separaten Ebene liegt. Da das ziemlich zeitaufwendig sein kann, zahlt es sich auf jeden Fall aus, den Illustrator von vornherein gut zu instruieren bzw. sich zu überlegen, bei zugekauften Vektorgrafiken für diesen Arbeitsschritt Assistenz zu engagieren. Die Ebenen können dann in After Effects importiert und für die Animation vorbereitet werden. Erst dann kann die eigentliche Arbeit der Animation beginnen. Die beiden Arbeitsschritte vor der Animation werden auch oft „Prep-work“ genannt. Dieser Aufwand zahlt sich natürlich nur dann aus, wenn der Charakter öfters oder länger zu sehen ist und man sich einen erweiterten Bewegungsspielraum für ihn wünscht. Einen Charakter, den man in einer Szene nur kurz sieht und der dann einmal mit den Augen blinzelt, zahlt sich beispielsweise nicht aus.

Je nach Illustrationsstil können Charaktere aus unterschiedlichen Quellen stammen:

  • Für einen einzigartigen Stil wird ein Illustrator beauftragt, der den Charakter eigens anfertigt.
  • Es wird mit Stockfootage gearbeitet, welches auch in einem gewissen Rahmen angepasst werden kann.
  • In Zukunft wird sicherlich Charaktererstellung mittels KI ein immer größeres Thema werden.

Fazit

Lieber keine Charakteranimationen, wenn …

  • … es schnell gehen soll.
  • … es möglichst günstig sein soll.
  • … eine sachliche und simple Darstellung von Inhalten im Vordergrund steht.

Charakteranimationen sind eine gute Idee, wenn …

  • … Emotionen vermittelt oder ausgelöst werden sollen.
  • … die Zuseher:innen sich persönlich angesprochen fühlen sollen.
  • … eine sachliche und unpersönliche Darstellung der Inhalte unpassend wäre.
  • … man ausreichend Zeit für die Planung und Umsetzung hat.

Je nach Zielsetzung der Filme und dem zeitlichen und budgetären Rahmen sollte man also den richtigen Animationsstil für die jeweilige Situation wählen. Wir hoffen, dieser Artikel kann in solchen Situationen bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

Autor: Daniel Horvatits – Animation Artist


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